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Emotionale und soziale Entwicklung

 "Der Vorbereitungsdienst bereitet auf die eigenverantwortliche Unterrichts- und Erziehungstätigkeit an Schulen vor." (§1 der OVP vom 11.11.2003) So klar und einfach dieser Satz zunächst auch klingen mag, so vielfältig sind doch die individuellen Lernwege der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter bei der Erreichung dieses Ziels.

Auch ein sehr fundiertes universitäres Fachwissen führt nicht automatisch zu entsprechender Handlungskompetenz, vor allem nicht in den hoch komplex ablaufenden erzieherischen und unterrichtlichen Prozessen an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Emotionale uns soziale Entwicklung.

So steht für viele Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter am Anfang der Ausbildung an den Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung zumeist der berühmte 'Praxisschock'. Sie werden mit den vielfältigen und 'kreativen' Angeboten der Schülerinnen und Schüler zur Kontaktaufnahme mit ihnen – Wortwahl und Sprachstil entsprechen nicht unbedingt den gängigen Gepflogenheiten -, sowie den nicht selten 'chaotisch' ablaufenden Unterrichtsstunden in den Ausbildungsklassen konfrontiert.

Hier kommt der Arbeit im Förderschwerpunktseminar zunächst die Aufgabe zu, genügend Raum und Zeit zu kollegialem Austausch bereitzustellen, bevor die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter dann im Rahmen 'kollegialer Praxisberatung' erste Handlungsstrategien für den Umgang mit den Schülerinnen und Schülern und im weiteren Verlauf auch für den eigenen Unterricht entwickeln und in Teilen auch im szenischen Spiel erproben können.

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung wird die Arbeit an den individuellen Förderplänen sein. Bedeutsam ist hier, dass es bei Beeinträchtigungen im Erleben und sozialen Handeln nicht um objektiv erfassbare und situationsunabhängige Tatsachen geht, sondern dass sie als 'Folge einer inneren Erlebens- und Erfahrungswelt anzusehen sind, die sich in Interaktionsprozessen im persönlichen, familiären, schulischen und gesellschaftlichen Umfeld herausgebildet haben'. Insofern sind die Fördermaßnahmen in erste Linie darauf gerichtet, 'Möglichkeiten zur Veränderung innerer Verhaltensmuster und zur individuellen Anpassung an äußere Rahmenbedingungen sowie auf den Erwerb und die Stärkung emotionaler und sozialer Fähigkeiten bereit zu stellen. (Empfehlungen zum Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.03.2000) Auf dem Hintergrund der unterschiedlichen Schulkonzeptionen wird es hier zu einem intensiven fachlichen Austausch, dem 'Blick über den eigenen Tellerrand' kommen, wobei i.S. der Weiterentwicklung der Schulkonzepte und der Erweiterung eigenen Fachkompetenz der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter auch neuere Ansätze zur Diskussion gestellt werden.

Ein besonderes Augenmerk wird auf die Gestaltung der Lehrer- Schüler Beziehung gerichtet werden. Stichworte sind hier Authentizität, Klarheit und Konsequenz bei Interventionen, Berechenbarkeit, Verlässlichkeit,... Andererseits wird es aber auch darum gehen, das eigene Handeln kritisch zu reflektieren, um die eigenen unbewussten Handlungsmuster aufzudecken, die in möglichen Konfliktsituationen eher eskalierend wirken oder die Interaktion mit einzelnen Schülerinnen und Schülern behindern.

Durchgängig wird die Frage immer wieder im Raum stehen, welchen didaktischen Konzeptionen, welche Methoden und Medien besonders dazu geeignet sind, den Schülern wieder Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu vermitteln. Auch wenn dem 'erzieherisch Wirken', dem 'Unterrichten und Fördern' und der 'Arbeit an der Lehrerpersönlichkeit' ein besonderer Stellenwert in der Arbeit im Förderschwerpunktseminar zukommt, so bleiben die anderen Lehrerfunktionen nicht unberücksichtigt. Allerdings erfahren sie wie auch die oben aufgeführten Themenbereiche eine unterschiedliche Akzentuierung je nach individuellen Vorkenntnissen, Qualifikationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter.

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