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Hören und Kommunikation

„Es ist Schwerstarbeit, wissen Sie, als Hörgeschädigter, mit jemandem zu reden. Ich versuche dauernd zu hören, was Sie sagen; man kann sich mit jemand einfach nicht entspannt unterhalten, wenn man auf der Stuhlkante sitzt, lauert, horcht und dauernd denkt ´Hab ich das richtig verstanden?´ oder ´Entschuldigung, was haben Sie gesagt?´. Das ist alles reine Schinderei, am Ende denkt man ´Oh verflucht, ich möchte allein sein und wieder zu Atem kommen´“.

Dieser Bericht eines Betroffenen zeigt sehr deutlich die durch eine Hörschädigung aufgeworfenen Problembereiche auf:

  • Sprachlicher Bereich  -  Da besonders bei mittel- und hochgradigen Hörschädigungen Sprache nicht ohne Schwierigkeiten auf natürlichem Weg erlernt werden kann, muss der Spracherwerbsprozess durch pädagogische Maßnahmen gelenkt und unterstützt werden. Gegenüber Normalhörenden ist die Sprachentwicklung im Allgemeinen verzögert und oftmals ist die Aussprache Hörgeschädigter undeutlich und verwaschen, z.T. nur schwer verständlich. Die Teilnahme an Gesprächen bedeutet für den Hörgeschädigten Schwerstarbeit, denn er muss ein hohes Maß an Konzentration aufbringen, ist häufig im Zweifel, ob er auch richtig verstanden hat, seine Interpretations- und Kombinationsfähigkeit, mit der er akustisch nicht verstandene Gesprächsanteile ergänzt, ist ständig gefordert und selbst wenn ihm das gelingt, entgehen ihm im Vergleich zu seinen normalhörenden Gesprächspartnern oft noch viele Informationen. Einige Hörgeschädigte können die Fähigkeit sich an rein lautsprachlich geführten Gesprächen zu beteiligen, nicht aufbauen und sind auf gebärdenunterstützte Kommunikation oder auch rein gebärdensprachliche Kommunikation angewiesen.
  • Psycho-sozialer Bereich  -  Hörschädigungen sind „unsichtbar“ und der breiten Öffentlichkeit fehlt deshalb oft das Verständnis und die Rücksichtnahme. Auf Seiten der Hörgeschädigten selbst führt diese „Unsichtbarkeit“ oft zu einem ständigen Bemühen, nicht aufzufallen. Dies hat eine hohe Grundanspannung, die von einer permanenten Verunsicherung begleitet wird -´Habe ich richtig verstanden?´, ´Werde ich richtig verstanden?´ zur Folge. Häufig genug erleben Hörgeschädigte das Scheitern ihrer Kommunikationsbemühungen, sie fühlen sich ausgeschlossen und isoliert. Da sie meist weniger Gelegenheit zum Austausch haben und ihr Sprachvermögen eingeschränkt ist und ggf. später und auf anderen Wegen erworben wird,  kann es auch zu Wissensdefiziten kommen, die von der Umwelt als Begriffsstutzigkeit oder Dummheit interpretiert werden.

 

Bereiche der sonderpädagogischen Förderung

Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation umfasst die Frühbetreuung hörgeschädigter Säuglinge und Kleinkinder, die vorschulische Erziehung und die Betreuung auf allen Schulstufen, und in allen in Frage kommenden Schulformen von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II.

 

Ziele der sonderpädagogischen Förderung

Die sonderpädagogische Förderung hörgeschädigter Schülerinnen und Schüler will deren auditive Wahrnehmung ausbauen und verbessern, ihren Spracherwerb fördern und ihre Kommunikationsfähigkeit erweitern, Hör- und Verhaltenstaktiken aufbauen, die es ihnen erleichtern mit ihrem Handicap umzugehen und deren Identitätsfindung und Persönlichkeitsbildung unterstützen  -  kurz hörgeschädigte Kinder und Jugendliche sollen zur Teilhabe an der Welt der Hörenden befähigt und auf die Gemeinschaft mit anderen Hörgeschädigten vorbereitet werden.

 

Literatur:

Ahrbeck, B.: Gehörlosigkeit und Identität; Hamburg1992

Fritsche,O., Kestner.K.: Diagnose Hörgeschädigt; Guxhagen 2003

Hintermaier, M.: Identität im Kontext von Hörschädigung; Heidelberg 1999

Leonhardt, A.: Ausbildung des Hörens – Erlernen des Sprechens; Neuwied 1998

http://www.schwerhoerigen-netz.de

 

Weitere Behörden und Einrichtungen

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