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Biologie

Link zu: SeitenanfangSonderpädagogisches Grundverständnis

Die sonderpädagogische Herausforderung besteht darin, den Biologieunterricht so zu gestalten, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in ihrer individuellen Kompetenzentwicklung gestärkt und gefördert werden. Der Unterricht soll konkrete Handlungsanlässe bieten, um individuelle Kompetenzen zu entwickeln, die helfen, eine möglichst selbstbestimmte Lebensgestaltung (Gesundheitsbildung, Sexualität) zu führen und aktiv am gesellschaftlichen Leben (z.B. Nutzung von Museen, Medien, Meinungsbildung zu fachrelevanten Themen) und am Leben mit der umgebenen Natur (natürliche Freizeit- und Erholungsgebiete, Pflanzen- und Tierhaltung) teilzunehmen.

Die spezifischen Bedingungen eines jeden Menschen bestimmen seine Möglichkeiten zu selbstbestimmter Teilhabe an der Welt und zur Entfaltung seiner individuellen Handlungsmöglichkeiten. (RAHMENVORGABE UND RICHTLINIEN für die sonderpädagogische Förderung in Schulen des Landes Nordrhein-Westfalen)

In der Ausbildung setzen sich Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter in Theorie und Praxis damit auseinander, wie solche Kompetenzen konkret aussehen und wie sie unterrichtlich zu vermitteln sind. Der Fokus richtet sich im Weiteren drauf, auf welchen Aneignungswegen die Schüler/innen unter Einbeziehung ihrer individuellen Lernmöglichkeiten Kompetenzen erwerben. Dabei sind sowohl die Perspektiven der Lernenden in Gegenwart und Zukunft als auch ihre entwicklungspsychologischen Voraussetzungen, ihre Lernschwierigkeiten, ihre vorunterrichtlichen Vorstellungen und vorhandenen Interessen an Inhalten und Themen des Biologieunterrichts von ganz entschiedener Bedeutung.

Im Fachseminar Biologie orientieren wir uns nicht allein an den Richtlinien und Lehrplänen der allgemeinbildenden Schule, sondern nutzen auch die Vielfalt pädagogisch didaktischer Literatur zum Themenbereich „Naturwissenschaftliches Lernen“. Bei der unterrichtlichen Umsetzung „fachlicher Intentionen“ bilden jedoch immer die individuellen Bedürfnisse und Leistungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler den grundlegenden Orientierungsrahmen.

 

Link zu: SeitenanfangSonderpädagogik und Biologie

Die folgenden zwei Beispiele sollen den Kompetenzbegriff in Verbindung mit fachbezogenem Lernen veranschaulichen und dabei zugleich den Differenzierungsbedarf, der sich aus Sicht der unterschiedlichen Förderschwerpunkte ergibt, verdeutlichen:

  • Eine Schülerin, einen Schüler (mit umfänglichem Förderbedarf im Bereich der „Körperlichen und motorischen Entwicklung“ und/oder „Geistige Entwicklung“) wird in ihrer/seiner Kompetenz, mit einem Haustier Kontakt aufzunehmen und die Begegnung mit dem Tier aktiv mitzugestalten, gefördert.
  • Eine Schülerin, einen Schüler (mit Förderbedarf im Förderschwerpunkt „Emotionale Entwicklung“) wird in ihrer/seiner Kompetenz, zur verantwortlichen Haltung eines eigenen Haustieres, gefördert.

Differenzierung und Individualisierung sind unabdingbar. In einem differenzierten Biologieunterricht werden individuelle Lernhilfen gegeben, die eine angemessene Komplexität des Lernens sichern, da sie den Schülern/innen helfen, Lern- und Deutungsstrategien zu entwickeln, auszudifferenzieren und es ermöglichen, Wissen anwendungsorientiert einzubringen.

Im Biologieunterricht gibt es vielfältige didaktisch-methodische Ansätze, die auf die Lern- und Entwicklungsprobleme der Schüler/innen förderlich wirken können.
Zum Beispiel:

  • Untersuchungen und Experimente fesseln die Aufmerksamkeit und können so Probleme im Verhalten reduzieren.
  • Manuelle Fertigkeiten im Umgang mit Materialien/Geräten/Pflanzen können in kleinen Schritten erworben werden, dadurch kann Konzentration unterstützt und entwickelt werden.
  • Naturwissenschaftliches Arbeiten schließt häufig Gruppenarbeit ein und unterstützt so die Kommunikation und Kooperation.
  • Die Beschäftigung mit Lebewesen, besonders mit Tieren, stärkt das Verständnis und die Bereitschaft zur Übernahme von Aufgaben und Verantwortung.

 

Link zu: SeitenanfangKompetenzorientierung

Die Ausbildung im Unterrichtsfach „Biologie“ greift den im Bildungsbereich aktuellen Kompetenzbegriff auf. Dabei sind die Lehramtsanwärter/innen gefordert, in Kompetenzentwicklungsstufen zu denken und entsprechend den Unterricht zu planen. Grundlegend sind die Kompetenzen zum „fachlichen Denken und Verstehen“ (fachkonzeptionelles Wissen) biologischer Sachverhalte und die Kompetenzen zur „Nutzung erkenntnisgewinnender Methoden“ (Phänomen wahrnehmen und beobachten,  Untersuchungen anstellen, Informationen suchen und aufnehmen etc.). Der Biologieunterricht trägt zur Entwicklung des individuellen Selbstverständnisses und des emanzipatorischen Handelns bei. Dies ist die Grundlage für ein gesundheitsbewusstes und umweltverträgliches Handeln sowohl in individueller als auch in gesellschaftlicher Verantwortung. Für ein aktives Teilhaben fördert der Biologieunterricht  die Kompetenzen im Bereich „Kommunikation“  (Themen, Fragestellungen, Untersuchungen miteinander angehen, Informationen aus unterschiedlichen Quellen erarbeiten und Ergebnisse vorstellen)   und   im Bereich „Bewertung“ (eigene bzw. gemeinsame Schlüsse aus Fragestellungen und Untersuchungen ziehen, eine eigene Meinung zu den Themen und Fragestellungen ausbilden und ggf. Konsequenzen aus den Erkenntnissen ziehen).

 

Link zu: SeitenanfangNaturwissenschaftliche Bildung

Die genannten Kompetenzen sind in der Realität der Förderschulen nicht allein auf das Unterrichtsfach Biologie zu beziehen, sondern (die anderen naturwissenschaftlichen Fächer werden nur selten im gleichen Umfang unterrichtet) werden häufig fächerübergreifend oder im Rahmen der naturwissenschaftlichen Bildung vermittelt.

„Naturwissenschaftliche Grundbildung (Scientific Literacy) ist die Fähigkeit, naturwissenschaftliches Wissen anzuwenden, naturwissenschaftliche Fragen zu erkennen und aus Belegen Schlussfolgerungen zu ziehen, um Entscheidungen zu verstehen und zu treffen, wel­che die natürliche Welt und die durch menschliches Handeln  an ihr vorgenommenen Veränderungen betreffen" (OECD, 1999).

 

Link zu: SeitenanfangElemente eines qualifizierten Biologieunterrichts

Kompetenzentwicklung erfolgt in den Kontexten der aktuellen und zukünftigen Lebenswelten der Schüler/innen. Damit die Schüler/innen ihre Kompetenzen entwickeln können, die bei der eigenen Lebensgestaltung und Lebensbewältigung helfen, müssen wir Lehrerinnen und Lehrer Folgendes tun:

  • DieKontexte (Themen/Inhalte) der aktuellen und zukünftigen Lebenswelten der Schüler/innen herausarbeiten, an denen sich biologische Konzepte, Arbeitsweisen und Strategiewissen vermitteln lassen. Es gilt, Inhalte in sinnvolle, anwendungsbezogene Zusammenhänge, die auch im Alltag wichtig und interessant sind, einzubetten.
  • Hinreichendes Fachwissen aus den Nachbardisziplinen haben, um fächerübergreifenden Unterricht durchführen zu können.
  • Die Schülervorstellungen zur Sache (Präkonzepte/Alltagsvorstellungen, also die Ideen, Erklärungen und Vorstellungen über den Sachverhalt) in den Unterricht einbeziehen, um von der „individuellen Lern- und Lebenswirklichkeit“ ausgehen zu können.
  • Mittels „didaktischer Rekonstruktion“ (vgl. Biologiedidaktik Universität Oldenburg) klären, was die Schüler/innen an fachlichen und motivationalen „Lernvoraussetzungen“ mitbringen, wie der Sachverhalt didaktisch zu strukturieren ist und welche fachbezogenen Kompetenzen auf welchen Wegen angeeignet werden können.
  • Die Kontexte werden in Rahmenthemen eingebunden und/oder im Zusammenhang mit spezifischen schulstandortbezogenen Themen bearbeitet.
  • Sachverhalte werden mittels didaktischer Reduktion und Elementarisierung an die Lernvoraussetzungen der Schüler/innen angepasst. Die Strategien des (Er-)Klärens biologischer Zusammenhänge bewegen sich im Spannungsfeld zwischen formaler fachlicher Korrektheit und schülergemäßer Vereinfachung.
  • Es muss differenziert geplant werden, um in verschiedenen Kompetenzbereichen und auf unterschiedlichen Anforderungsniveaustufen unterrichtliche Handlungsschritte zu gestalten.
  • Ein breites Methodenrepertoire wird variabel eingesetzt.

 

Link zu: SeitenanfangFachdidaktisches Grundverständnis

Aufgreifen vorhandener Motivation und Interessen

  • Häufig beziehen sich die Interessen der Schüler/innen vor allem auf Tiere, speziell auf Säugetiere, da zu diesen oft eine emotionale Beziehung aufgebaut werden kann, auf den eigenen Körper und auf Fragen der Umwelt. Diese Motivation gilt es aufzugreifen. Sachverhalte aus der Pflanzenwelt müssen häufig motivational gefördert werden, wie z. B. durch Klassenbegrünung oder Schulgartenarbeit.

Aktives Lernen

  • Vorerfahrungen, Vorwissen, individuelle Vorstellungen und lebensweltliche Bezüge bilden die Grundlage eigenaktiver Lernprozesse.
  • Eigene Fragen, eigenes Untersuchen, Sammeln, Problematisieren, Fotografieren, Zeichnen, Nachlesen in Sach- und Fachbüchern usw.
  • Planen und Umsetzen von (kleinen) Vorhaben und Projekten
  • Entdeckendes Lernen, das Lernen an Stationen, Vorhaben, Werkstatt-, Projekt- oder Freiarbeit, Unterrichtsgänge, Ausflüge, Exkursionen

Außerschulische (Lern-)Orte (Museen, Umweltstationen, Tierparks, naturnahe (Erholungs-) Gebiete aufsuchen/nutzen

  • Die Zugänge zu den Lernorten sind so zugestalten, dass sie mit Interesse und Freude und in Eigenständigkeit genutzt werden können.

Arbeit an biologischen/naturwissenschaftlichen Basiswissenskonzepten

  • Basiskonzepte zum naturwissenschaftlichen Verstehen, wie z.B.:  
    „Auf der Welt geht nichts verloren“ (Konzept der Erhaltung)
    „Mit Energie kann man etwas tun“ (Konzept der Energie)
    „Lebewesen entwickeln sich in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt“ (Konzept der Ökologie).
  • Basiskonzepte aus dem Bereich Gesundheitsbildung, wie z.B.:
    „Es gibt gesundheitsförderliche und gesundheitsschädliche Lebensweisen bzw. Lebensbedingungen“„Gesundheitsschäden kann vorgebeugt werden“

Methoden zur Erkenntnisgewinnung anwenden

  • Gelegenheit zu weitgehend selbstständigem Suchen, Forschen und Entdecken geben.
  • Beobachten und Beschreiben, Vergleichen und Systematisieren, Untersuchen und Experimentieren sowie die Arbeit mit Modellen und wichtige fachliche Denk- und Arbeitsweisen.

Vielfältige Medien (besonders auch aus dem Bereich  der „Neuen Medien“) einbeziehen

  • Medien sind Werkzeuge zum Lernen, manchmal auch Gegenstand des Lernens selbst. Sie erleichtern es, die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler in das schulische Lernen einzubeziehen. Der Einsatz von Computer und Internet ermöglicht darüber hinaus differenzierte bzw. individualisierte Lernangebote.

Von der Alltagssprache langsam zur Fachsprache

  •  Phänomene und Probleme werden von Schülern/innen immer zunächst in ihrer Alltagssprache beschrieben. Das bedeutet zugleich, dass ihre Verstehensweise gebunden ist an die individuelle begriffliche Vorstellungsweise. Fachsprache hilft zum Verstehen erst dann weiter, wenn Strategien, Prinzipien etc. bereits  „mit den eigenen Worten“ erklärt werden können.

Vielfältige Unterrichts-, Sozial- und Lernformen

  • Schüleruntersuchungen in Partner- oder Gruppenarbeit und die Präsentation von Ergebnissen fördern das gemeinsame Lernen sowie die Teamfähigkeit.
  • Wiederholung, Vertiefung, Übung, Systematisierung und Anwendung des Gelernten
  • Gemeinsame Denkprozesse in Kleingruppen und im Klassengespräch fördern, gemeinsame Diskussionen ermöglichen.

Problemorientierte Aufgaben entwickeln

  • Im Unterricht werden vielfältige offene Aufgaben eingesetzt, z. B. zum Vergleichen, Erkennen von Zusammenhängen, Erklären von Prozessen, zum Ordnen und Einordnen. Aufgaben sind Aufforderung zur Lerntätigkeit. Dabei sind komplexe Aufgaben, die aus mehreren Teilaufgaben bestehen, sinnvoll. Den Schülerinnen und Schülern wird ausreichend Gelegenheit gegeben, selbstständig Wissen zu generieren.

Fehler als konstruktiven Teil des Lernens betrachten

  • Im aufeinander Treffen von Alltagsvorstellungen und biologischen Basiskonzepten vollzieht sich Lernen auch als ein Prozess des Fehlermachens. Lernen aus Fehlern setzt voraus, dass diese als produktive Lernchance thematisiert werden, den Lernenden Gelegenheit gegeben wird, über Fehler nachzudenken und sich mit ihnen auseinander zu setzen.

Fachübergreifendes und fächerverbindendes Lernen

  • Themen, die alltags- und lebensnah sind (z.B.: Wir schützen uns vor der Sonne. Wir planen einen Zoobesuch, führen ihn durch und berichten darüber. Wir ernten Obst und verarbeiten es.)

Besondere Themenkomplexe mit z.T. eigenständigem Bildungsanliegen

  • Sexualerziehung
  • Gesundheitsbildung
  • Umweltbildung
  • Naturerfahrung

 

Beispiele von Kontexten, die für die individuelle Lebensbewältigung von herausgehobener Bedeutung sind:

Gesundheitsbildung

  • Meine körperliche Entwicklung

Mein Körper – meine Gesundheit

Was ich schon alles kann!
Z.B.: wie es möglich ist, dass wir stehen und uns vielfältig bewegen können? (Lehrplan Hauptschule). Wofür ich meine Sinne gebrauche?

  • Meine persönliche und soziale Entwicklung

„Erwachsenwerden" erfordert die Förderung sozialer Kompetenzen junger Menschen in der Schule. Schülerinnen und Schüler werden dabei unterstützt, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikative Kompetenz zu stärken, Kontakte und Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, Konflikt- und Risikofaktoren in ihrem Alltag zu begegnen und für die sich ergebenden, spezifischen Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich bringt, geeignete und konstruktive Lösungen zu finden.

Erste Hilfe leisten

Ernährung und Gesundheit

Entspannung und Bewegung

 Sexualität/Sexualerziehung

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