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Sachunterricht

Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern im Unterrichtsfach Sachunterricht für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf setzt Schwerpunkte.

Die Schwerpunkte ergeben sich aus der Tatsache, dass in den Schulen Kinder lernen, die hinsichtlich ihrer Begabungen, ihrer individuellen Förderbedarfe, ihrer sozialen und kulturellen Lebensumstände große Unterschiede haben.

Diese Vielfalt ist Herausforderung und Chance, um Kindern beim möglichst eigenständigen Erschließen ihrer Lebenswelt und der soziokulturellen Lebenswelt Anderer zu begleiten und zu fördern (vgl. Richtlinien Grundschule NRW 2003).

Differenzierung und Individualisierung sind notwendige Schritte, um dem sonderpädagogischen Anspruch gerecht zu werden, dass jede Schülerin und jeder Schüler, die eigenen Kompetenzen ausbilden und weiterentwickeln kann, die zur Erschließung und Mitgestaltung der eigenen Lebenswirklichkeit benötigt werden.

In der Ausbildung im Unterrichtsfach Sachunterricht werden wir schwerpunktmäßig daran arbeiten, wie den unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsbedingungen der Kinder methodisch-didaktisch konstruktiv begegnet werden kann.

Kinder, die nicht fragen dürfen, verstummen.

Kinder, die nicht fragen können, die nicht gelernt haben, zu fragen, bleiben stumm.

Kinder, die nicht forschen dürfen, weil sie sich dabei schmutzig machen könnten, wenn sie z.B. die Steine im Bach umdrehen, verlieren ihr Bedürfnis, etwas selbst in die Hand zunehmen und zu erkunden.

Kinder, die nicht forschen können, weil sie niemand einlädt und begleitet, um an einem Bach zu spielen, bleiben von wesentlichen Erfahrungswelten ausgeschlossen.

Lehrerinnen und Lehrer für den Sachunterricht benötigen drei gleichrangige Qualifikationen, die sie auch noch miteinander verschränken können sollten:

  1. Sie müssen erstens etwas über Kinder wissen, über ihre Lebenszusammenhänge und damit etwas darüber, wie sich die Sicht des einzelnen Kindes auf die Welt entwickeln konnte. Lehramtsanwärter/innen beschäftigten sich intensiv (mit theoretischen Reflexionen und in der Praxis durch lebendige Begegnung) mit Kindern.

    A. Kaiser formuliert in ihrem Buch „Einführung in den Sachunterricht“ (1999) im Rahmen einer didaktischen Auseinandersetzung folgende Aussagen:

    Kinder sind Menschen ...

    Kinder sind kleine Menschen ...

    Kinder sind lebendige Menschen ...
    und führt aus, welche grundlegenden Bedürfnisse nach Aktivität und Beziehung, nach Bewegung, Freude und Spiel, nach Entdecken und Forschen, nach Gestalten und Verändern, nach Kommunikation und eigener Meinungsbildung sich daraus ableiten.

    In der Ausbildung werden die didaktisch-methodischen Möglichkeiten zur Sicherung dieser Bedürfnisse im alltäglichen Unterricht herausgearbeitet. Auch das Eingehen auf die Gedanken- und Gefühlswelt der Kinder im Rahmen der Auseinandersetzung mit bedeutsamen Sachthemen muss didaktisch geplant und methodisch geübt werden. Dabei erhalten wir Lehrer/innen den Einblick auf die jeweilige kindliche „Konstruktion von (Lebens-) Welt“.

  2. Lehrerinnen und Lehrer benötigen zweitens ein grundlegendes Wissen über wissenschaftliche Denkweisen und Methoden. In der Ausbildung wird am Beispiel des Ansatzes zur „Scientific Literacy“ der didaktische Anwendungsgehalt erarbeitet.

  3. Und drittens sind sie gefordert, sich mit dem aktuellen Bildungsverständnis bezüglich des Erlangens von Kompetenz einschließlich ihrer Niveaustufen und Aneignungswege auseinander zu setzen.

    In der sonderpädagogischen Ausbildung ist der Kompetenzbegriff bereits durch die förderdiagnostische Denk- und Handlungsstruktur gut ausgeprägt. Im Sachunterricht wird das Denken und unterrichtliche Handeln im Sinne von Kompetenzen weiter erarbeitet. Eine interessante Perspektive bietet dabei das Buch von Donata Elschenbroich „Weltwissen der Siebenjährigen“ (2001). Darin wird diskutiert, was Kinder mit sieben Jahren schon alles erlebt haben bzw. können sollten. Diese Auseinandersetzung kann die sachunterrichtlichen und die sonderpädagogischen Denk- und Verstehensweisen über Kompetenzen von Kindern, bei gleichzeitiger Betrachtung der jeweiligen soziokulturellen Lebensumstände, weiter ausbilden.

Zurück kommend auf das Fragen und Forschen der Kinder soll konkretisiert werden, wie Sachunterricht, Kinder bei der Lebenswelterschließung stärken und fördern kann.

Die folgenden Beispiele können didaktisch-methodische Anhaltspunkte geben:

Brücken zur Welt schaffen durch unmittelbare Begegnungen mit Phänomenen, Sachverhalten, Ereignissen und Personen

  • Woher kommen wir? Die Schwangerschaft einer bekannte Frau verfolgen.

  • In Notfällen gibt es Hilfe. Einen Feuerwehreinsatz nachvollziehen.

  • Was ist lebendig? Was sich bewegt, lebt oder?

  • Wo kommt der Regen her? Wetter lässt sich erforschen.

Motivation und Verfahren zur Erkenntnisgewinnung durch vielfältige kindgemäße Aktivitäten anregen

  • Wir befragen eine schwangere Frau?

  • Wir machen ein Rollenspiel über einen Notfall.

  • Wir malen und zeichnen alles was zum Feuerwehrauto gehört auf.

  • Wir sammeln Lebloses und Lebendiges.

  • Wir stellen verschiedene Meinungen über das, was lebt und das, was nicht lebt, gegeneinander.

  • Wir lesen ein Buch über das Wetter.

  • Wir bauen eine Beobachtungsstation zum Wetter.

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