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Seminarprogramm des Lehramtes für sonderpädagogische Förderung

(Stand März 2020)

Das Recht auf aktive Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft ist unsere förderpädagogische Zielvorstellung für alle Menschen. Dieses Recht auf gleichberechtigte und gleichwertige Teilhabe in allen Gesellschaftsbereichen gilt daher uneingeschränkt auch für Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Förderbedarfen im erweiterten Kontext des Systems Schule ist zentrale Aufgabe der Lehrkräfte mit sonderpädagogischer Ausbildung. Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter werden im Seminar darin ausgebildet, in den schulischen Bildungseinrichtungen unterschiedliche Formen der Unterrichtung und darüber hinausgehender Unterstützung bereit zu stellen, sodass Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Potenziale und Kompetenzen entfalten und erweitern können und damit eine Partizipation in der Gesellschaft ermöglicht wird.

Das vorliegende Seminarprogramm erweitert die Ausführungen des Ausbildungsprogramms des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung Münster um die Spezifika des Seminars für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung.

 

1 Ausbildung im Seminar

1.1 Elemente der Ausbildung

Fachliche und überfachliche Ausbildung (§10, Absatz 3 OVP 2011)
Die curriculare Abstimmung wird durch die Vorgaben des Kernseminars gewährleistet. Die Taktgebung des Kernseminars erfolgt durch Schwerpunktsetzung in den Quartalen, die Fach- und Fachrichtungsseminare bringen dazu ihre ergänzenden fachdidaktischen Perspektiven ein. Die Gesamtschau findet sich im Ausbildungsprogramm wieder.

Um den engen Rahmen von Kern- beziehungsweise Fach-und Fachrichtungsseminaren zu ergänzen und zu erweitern, bieten wir unterschiedliche Ausbildungsformate an.

Für den erfolgreichen Verlauf der Ausbildung ist eine seminarübergreifende Abstimmung notwendig wie

  • Anlage der schriftlichen Unterrichtsplanung (Dazu wurde für den Durchgang 11-16 eine neue Handreichung entwickelt, abgestimmt auf der Seminarkonferenz vom 27.10.2016)
  • Beratungsstruktur und Gestaltung in den Nachbesprechungen

  • Grundsätze der Leistungsbewertung

 

Personenorientierte Beratung mit Coachingelementen
Personenorientierte Beratung ist Bestandteil der Ausbildung nach der gültigen OVP (2011, §10 Abs. 4 und 5). Alle Fachleiterinnen und Fachleiter führen personenorientierte Beratung im Rahmen der Ausbildungsberatung durch. Die Kernseminarleitungen sind im Bereich der personenorientierten Beratung mit Coachingelementen qualifiziert worden und führen diese im Rahmen des Vorbereitungsdienstes durch. Sie sind sowohl fachübergreifende Ausbilderinnen und Ausbilder als auch Coach. Die Leistungen der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter werden nicht durch die Kernseminarleitung benotet und diese sind weder an der Langzeitbeurteilung noch an der Staatsprüfung beteiligt. Im Rahmen der personenorientierten Beratung mit Coachingelementen sind zwei Beratungsgespräche verbindlich und grundsätzlich entwicklungsorientiert durchzuführen.

Weitere Einzelheiten zur Umsetzung der Personenorientierten Beratung mit Coachingelementen im Seminar für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung lesen Sie hier.

 

Eingangs- und Perspektivgespräch (EPG) § 15 OVP 2011
Grundlage für das EPG bildet das Kerncurriculum und die darin beschriebenen sechs Handlungsfelder, die sich an den grundlegenden Kompetenzen für Unterricht, Erziehung, Beurteilung, Diagnostik, Beratung, Kooperation und Schulentwicklung orientieren (vgl. § 1 OVP).

In dem Eingangs- und Perspektivgespräch wird die Lehramtsanwärterin oder der Lehramtsanwärter dahingehend beraten und unterstützt, auf der Grundlage vorhandener Kompetenzen erste individuelle Zielsetzungen für die Ausbildung durch Schule und Seminar festzulegen, notwendige Arbeitsschritte zu entwickeln und eine mögliche Unterstützung durch die Beteiligten zu benennen. Die Ergebnisse werden durch die Lehramtsanwärterin oder den Lehramtsanwärter dokumentiert und in ihr Portfolio aufgenommen. Sie sollen im Laufe der Ausbildung weitergeführt und ergänzt werden.

Weitere Informationen zur Durchführung des Eingangs- und Perspektivgesprächs im Seminar für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung lesen Sie hier.

 

Professionelle Lerngemeinschaften
Zu Beginn der Ausbildung werden Professionelle Lerngemeinschaften eingerichtet. Sie dienen dem nachhaltigen Kompetenzaufbau und der Entwicklung einer dauerhaften und reflexiven Grundhaltung.

Professionelle Lerngemeinschaften stellen ein verbindliches Ausbildungselement des Seminars dar. Aus dem Zeitkontingent des Seminars wird eine angemessene Ausbildungszeit zur Verfügung gestellt. Organisatorisch werden die Professionellen Lerngemeinschaften auch durch die Ausbildungsschulen begleitet. Die Berücksichtigung in den Ausbildungsprogrammen sollte angestrebt werden.

Die inhaltliche Ausgestaltung liegt in der Verantwortung der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter. Sie sollte kollegiale Fallberatungen, Hospitationen, die Anwendung und Übung konkreter Inhalte sowie das selbstständige Erschließen individuell bedeutsamer Inhalte beinhalten. Die Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter erhalten Unterstützung, Beratung und praktische Anregungen durch das Seminar. Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit sollten in den Portfolios der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter dokumentiert werden.

Weitere Einzelheiten zur Organisation der Professionellen Lerngemeinschaften im Seminar für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung erfahren Sie in der Kompaktphase zu Beginn der Ausbildung.


Orientierungswissen und Basiskompetenzen
Die Vertiefung der im Studium erworbenen förderschwerpunktspezifischen und unterrichtsfachlichen Expertise bildet die Grundlage der Ausbildung im Seminar. Diese wird ergänzt von erklärtem Orientierungswissen und Basiskompetenzen in jenen Förderschwerpunkten und Unterrichtsfächern, die nicht nur im Gemeinsamen Lernen eine große Relevanz haben. Alle Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter
sichern Orientierungswissen und entwickeln Basiskompetenzen für die Förderung von
Schülerinnen und Schülern in den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und Emotionale und soziale Entwicklung sowie für den Unterricht in Deutsch und Mathematik.

Einzelheiten zur Weiterentwicklung der schulpraktischen Lehrerausbildung im Seminar SF (OR-BA) lesen Sie hier.


Ausbildung im Gemeinsamen Lernen

50:50 Modell
Mit Inkrafttreten des 9. Schulrechtänderungsgesetzes wird im Seminar für das Lehramt für sonderpädagogische Förderung auch an Schulen im Gemeinsamen Lernen ausgebildet. Das bedeutet für alle Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter der Fachrichtungen "Lernen" sowie "Emotionale und soziale Entwicklung", dass sie je zur Hälfte in allgemeinen Schulen und in Förderschulen ausgebildet werden.

Erprobung im Gemeinsamen Lernen §24 OVP 2011
Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter, die über die gesamte Zeit der Ausbildung in der Förderschule oder im Gemeinsamen Lernen ausgebildet werden, erproben sich zur Mitte der Ausbildung über zwei Ausbildungsquartale im Rahmen von vier Wochenstunden im jeweils anderen System. Sie stellen sich eine forschende Frage, die sie während ihrer aktiven Erprobungszeit im Gemeinsamen Lernen bearbeiten.

Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter, die im 50:50 Modell ausgebildet werden, wechseln zur Mitte der Ausbildung über ein Ausbildungsquartal mit vier Wochenstunden in das jeweils andere System, Förderschule oder Gemeinsames Lernen. Sie nutzen die Zeit u.a. auch für das Kennenlernen des neuen Bedingungsfeldes.


Staatsprüfung §26 OVP 2011
Der Vorbereitungsdienst schließt mit einer Staatsprüfung ab. Sie stellt fest, in wie weit die Ziele des Vorbereitungsdienstes erreicht und Handlungskompetenzen erworben wurden. Die Prüfung findet im 6. Quartal der Ausbildung statt.

Weitere Informationen zur Prüfung lesen Sie hier.

 

Portfolio
Im Entwurf einer Konzeption für den reformierten Vorbereitungsdienst für Lehrämter an Schulen vom 25. Oktober 2010 ist die Nutzung eines Portfolios vorgesehen. Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter sollen im Rahmen ihrer Ausbildung ihre berufsbezogenen Kompetenzen in den einzelnen Handlungsfeldern systematisch aufbauen. Berufsbezogene Erfahrungen sollen gesammelt, geordnet, präsentiert und reflektiert werden. Zur Dokumentation dessen wird ein Portfolio empfohlen.

 

1.2 Profile der Fachrichtungs- und Fachseminare

Ein wesentliches Prinzip sonderpädagogischer Ausbildung ist für uns die Verknüpfung von fach- und fachrichtungsspezifischen Aspekten der Unterrichtsgestaltung. Aus der Perspektive von Fach und Fachrichtung richtet sich der diagnostische Blick auf Schülerinnen und Schüler mit besonderen Lern- und Erziehungsbedürfnissen. Das Verständnis fachbezogener Lernprozesse und ein vertieftes Wissen über Fördermöglichkeiten in den einzelnen Entwicklungsbereichen bildet die Grundlage für die Arbeit als sonderpädagogische Lehrkraft. Mehr Informationen zu den Fachrichtungen und Fächern finden Sie unter den folgenden Links:

Fachrichtungen Fächer

 

1.3 Seminarleben

Wir legen Wert auf eine angenehme und offene Atmosphäre im Seminarbetrieb. Seminarausbilderinnen und Seminarausbilder arbeiten in enger Kooperation miteinander und stimmen Seminarthemen und -inhalte aufeinander ab. Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter knüpfen Beziehungen, erfahren Gemeinsamkeiten und bauen ein Netzwerk kollegialer Unterstützung auf.

 

2 Ausbildung in der Schule

Die praktische Ausbildung der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter findet in den Ausbildungsschulen statt. Ausbildungsinhalte von Seminar und Schule werden in enger Zusammenarbeit aufeinander abgestimmt und in Ausbildungsprogrammen dokumentiert. Gemeinsame Tagungen von Ausbildungsbeauftragten und Kernseminarleitungen sowie regelmäßige Treffen zwischen Ausbildungsbeauftragten und Seminarausbilderinnen und Seminarausbildern in Regionalgruppen ermöglichen einen intensiven Austausch.

Weitere Behörden und Einrichtungen

Ministerium für Schule und Bildung NRW Bezirksregierungen Landesprüfungsamt

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