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Seminarprogramm HRGe - Vorwort und Menschenbild

Vorwort


Die Ausbildung im Vorbereitungsdienst in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und in den Ausbildungsschulen gründet sich auf das Kerncurriculum für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst für Lehrämter in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und in den Ausbildungsschulen. „Es orientiert sich am Berufsbild der Lehrerinnen und Lehrern, wie es in den Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.12.2004) zusammengefasst dargestellt ist. Dieses Leitbild geht zurück auf die gemeinsame Erklärung des Präsidenten der Kultusministerkonferenz und der Vorsitzenden der Lehrerverbände vom 5. Oktober 2000.

  1. Lehrerinnen und Lehrer sind Fachleute für das Lehren und Lernen. Ihre Kernaufgabe ist die gezielte und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen gestaltete Planung, Organisation und Reflexion von Lehr- und Lernprozessen sowie ihre individuelle Bewertung und systemische Evaluation. Die berufliche Qualität von Lehrkräften entscheidet sich an der Qualität ihres Unterrichts.
  2. Lehrerinnen und Lehrer sind sich bewusst, dass die Erziehungsaufgabe in der Schule eng mit dem Unterricht und dem Schulleben verknüpft ist. Dies gelingt umso besser, je enger die Zusammenarbeit mit den Eltern gestaltet wird. Beide Seiten müssen sich verständigen und gemeinsam bereit sein, konstruktive Lösungen zu finden, wenn es zu Erziehungsproblemen kommt oder Lernprozesse misslingen.
  3. Lehrerinnen und Lehrer üben ihre Beurteilungs- und Beratungsaufgabe im Unterricht und bei der Vergabe von Berechtigungen für Ausbildungs- und Berufswege kompetent, gerecht und verantwortungsbewusst aus. Dafür sind hohe pädagogisch-psychologische und diagnostische Kompetenzen von Lehrkräften erforderlich.
  4. Lehrerinnen und Lehrer entwickeln ihre Kompetenzen ständig weiter und nutzen wie in anderen Berufen auch Fort- und Weiterbildungsangebote, um die neuen Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse in ihrer beruflichen Tätigkeit zu berücksichtigen. Darüber hinaus sollen Lehrerinnen und Lehrer Kontakte zu außerschulischen Institutionen sowie zur Arbeitswelt generell pflegen.
  5. Lehrerinnen und Lehrer beteiligen sich an der Schulentwicklung, an der Gestaltung einer lernförderlichen Schulkultur und eines motivierenden Schulklimas. Hierzu gehört auch die Bereitschaft zur Mitwirkung an internen und externen Evaluationen.1


Dieser Vorgabe, die auf eine qualifizierte Professionalisierung zielt, entspricht das Seminar Oberhausen auf seine individuelle Weise:

Wir sind der Überzeugung, dass Ausbildung nur gelingen kann, wenn sie die ganze Person mit ihrer unverwechselbaren Biografie, mit ihren Stärken und besonderen Möglichkeiten in den Blick nimmt und fest verankert ist auf dem Boden eines humanen und nicht technokratischen Ausbildungskonzepts.

Lehrer brauchen Professionalisierung und Berufsethos.
Daher wird die Lehrerprofessionalität im Vorbereitungsdienst des ZfsL Oberhausen durch die im Kerncurriculum beschriebenen Kompetenzen und um die Entwicklung eines Pädagogischen Selbstkonzepts aufgebaut. Der Aufbau der Lehrerprofessionalität beruht auf wissenschaftlichen Grundlagen und wird getragen wird von Selbstreflexion, von Orientierungs- und Handlungskompetenz. Ein wesentliches Ziel der Ausbildung ist somit, dem zukünftigen Lehrer und der zukünftigen Lehrerin zu ermöglichen, professionell im Rahmen seiner und ihrer Persönlichkeit in komplexen pädagogischen Situationen in einer sich stetig wandelnden Schule verantwortlich zu handeln.

Sie werden auf diesem Weg begleitet durch Ausbilder und Ausbilderinnen, die selbst Lehrer und Lehrerinnen sind und das System Schule von innen her kennen und beurteilen. In ständigem Austausch untereinander leiten sie an zur intensiven, theoriegestützten  Auseinandersetzung mit dem didaktischen und methodischen Repertoire eines reflektierenden Didaktikers. Sie ermutigen Lehramtsanwärter und Lehramtsanwärterinnen zur Schärfung ihres eigenen pädagogischen Konzepts und der Begegnung mit der erziehungswissenschaftlichen und didaktischen Forschung in Anknüpfung an die Lehrerausbildung in den Universitäten.

Kooperation und Mitbestimmung bilden die Grundlagen für eine eigenverantwortliche Arbeit in Fach- und Kernseminaren. Gemeinsam entwickelte Handlungskonzepte und regelmäßige Evaluation sorgen für Transparenz. Coaching unterstützt die personenorientierte Ausbildung der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter.
Seminararbeit zielt nicht nur auf die Optimierung von Unterricht und schulischer Arbeit, sondern sieht als Leitbild eine kommunikations- und kooperationsfähige Lehrerpersönlichkeit, die mit Menschenliebe, Verständnis und Konsequenz Kinder und Jugendliche fördert und fordert. Seminararbeit will aber auch eine zukunftsgerichtete Entwicklung von Schule und Unterricht modellhaft unterstützen.


Das Menschenbild

Wir sind ein Seminar, das sich am Kompetenzbegriff der Bildungsstandards2 orientiert. Wir verstehen diesen mehrdimensional und lebendig, da wir ihn sowohl produkt- als auch prozessorientiert anwenden. Unsere Grundlage ist das Menschenbild der humanistischen Pädagogik.3
Das bedeutet:

Unsere Bemühungen richten sich immer an den ganzen Menschen.

Das schließt ein, dass Lernen zugleich nach innen und nach außen gerichtet ist; denn wir sehen Lernen als einen persönlichen, selbst bestimmten und selbst verantworteten Wachstumsprozess.

Wir halten Faktenwissen und Kenntniserwerb für ergänzungsbedürftig durch Ideen, Vorstellungen, Intuition, Emotionen und Visionen.

Uns trägt sowohl eine positive Grundhaltung den Wachstumsfähigkeiten der Lernenden gegenüber als auch das Wissen um die begrenzenden menschlichen Bedingungen menschlicher Entwicklungen.

Deshalb sehen wir Konflikte nicht als Störungen, die beseitigt werden müssen, sondern nutzen sie im Dialog zur Eröffnung eines Möglichkeitshorizontes.

Wir stellen die Bedeutung des eigenen Könnens an den Anfang unserer Arbeit und begleiten die Entwicklung zur eigenen Lehrerpersönlichkeit aufbauend und ressourcenorientiert.

Nicht zuletzt beachten wir die vielfältige Bezogenheit des Menschen im Feld zwischen der eigenen (Lehrer-) Persönlichkeit, seiner Bezüge im sozialen Umfeld, seiner Kenntnisse und Haltungen zu sachlichen Inhalten und seiner Bezüge zu der ihn umgebenden Welt.


Freiheit, Würde, Wertschätzung und Integrität sind die Eckpfeiler unseres Umgangs mit den Menschen:

Wir begegnen uns in der größtmöglichen Freiheit – und in dem Wissen darum, dass dieser Freiheit oft auch enge Grenzen gesetzt sind.

Wir beachten die Würde des Einzelnen, indem wir ihm mit grundsätzlicher Wertschätzung gegenübertreten.

Und wir begleiten Menschen auf dem Weg zu persönlicher Integrität im Rahmen ihres beruflichen Feldes, indem wir frühestmöglich Feedbackprozesse einleiten und so die Möglichkeit zu Wachstum schaffen, aber auch problematische Aspekte der Berufspersönlichkeit offen ansprechen.

Gesamtes Seminarprogramm als PDF-Dokument




1 Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Kerncurriculum für die Ausbildung im Vorbereitungsdienst für Lehrämter in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung und in den Ausbildungsschulen

2 Siehe Bundesministerium für Bildung und Forschung, Expertise, S. 72 sowie Weinert, F. E., Vergleichende Leistungsmessung in Schulen, S. 17 – 31.

3 Vgl. Dauber, Grundlagen Humanistischer Pädagogik.

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